Überprüfung abgelaufener Standards

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Christian
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Überprüfung abgelaufener Standards

Beitrag von Christian » Sa 18. Nov 2017, 16:26

Hallo,

seit knapp einem Jahr arbeite ich mich in das Thema ICP-OES ein. Derzeit beschäftige ich mich mit der Überprüfung abgelaufener Standards u.a. mit einem Shelf Life ab 2010 aufwärts. Da ich nicht für jedes Element pauschal einen neuen Standard gestellt bekomme, bleibt mir zur Zeit nur die vorhandenen Standards gegeneinander zu prüfen. Beispielhaft habe ich das mal in nachfolgender Tabelle dargestellt.
Tabelle1.png
Mir wurde, basierend auf Hörensagen, erzählt, dass wenn ich für einen Kontrollstandard eine vorgegebene Konzentration finde, dieser weiterhin genutzt werden kann. Im Umkehrschluss würde das bedeuten, wenn ich den Kontrollwert nicht finde, der Standard unbrauchbar ist. Meiner Meinung nach berücksichtigt diese Annahme aber nicht, dass auch der Rekalibrationsstandard das Problem sein und zu falschen Werten beim Kontrollstandard führen kann.
Deshalb ging ich eher davon aus, dass wenn ich mit bspw. Standard A die Rekalibration durchführe und für die Standards B und C die gewünschten Resultate in den akzeptablen Grenzen wiederfinde, es dafür spricht, dass Standard A zur weiteren Verwendung noch nutzbar ist. Mit obigem Beispiel wären die Standards A und B weiter verwenbar, C nicht. Anfangs hat es eigentlich ganz gut funktioniert. Mit der letzten Messung (Tabelle unten) ist meine Theorie aber ins Wanken geraten.
Tabelle2.png
Gemäß den obigen Ergebnissen spräche es eher dafür, dass Standard C mittlerweile aufkonzentriert ist. Wenn ich damit die Rekalibration durchführe, würde ich dann allerdings erwarten, dass ich für alle anderen Standards deutlich geringere Konzentrationen wiederfinde. Das ist aber nicht der Fall. Der oben dargestellte Trend, dass immer die dritte Messung aus dem Rahmen fällt, die Kalibration mit dem jeweils dritten Standard aber für andere die korrekten Kontrollwerte wiedergibt, hat sich in Folge für vier unterschiedliche Elemente ergeben. Sobald sich nächste Woche die Zeit ergibt, überprüfe ich, inwieweit die Beobachtung reproduzierbar ist. Unter Umständen ist das alles ein apparatives Problem.
Kann mir aber jemand einmal Rückmeldung geben, ob meine Überlegungen richtig sind oder sich vielleicht da ein gedanklicher Fehler eingeschlichen hat?

Viele Grüße,
Christian
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Re: Überprüfung abgelaufener Standards

Beitrag von Alexander Tepass » Mi 22. Nov 2017, 23:11

Hallo Christian,

also so ganz Verstanden habe ich noch nicht die Sache mit den Kontrollstandard.

Du hast ein Element Standard (abgelaufen) aber möchtest wissen ob dieser noch zu nutzen ist?

In der Praxis sieht es meistens dann so aus, dass in der Methode eine Rekalibration mit einem Tiefstandard, einem Hochstandard gemessen werden und anschließend eine Kontrollprobe (Qualitätscheck) folgt.

Beispiel: Tief-Std. 10 mg/l, Hoch-Std. 100 mg/l, Kontrollprobe 40 mg/l (Kalibration: 0, 10, 20, 30, 40, 50, 60, 70, 80 ,90, 100 mg/l)

Ist die Kontrollprobe innerhalb der festgelegten Toleranzen, können die Standards weiter eingesetzt werden.
Würde der Element Std. nicht mehr seinem Sollwert entsprechen, müsste die Kontrollprobe von ihrem Wert abweichen und als Check durchfallen.

Zweifelt man immer noch kann man hingehen und eine Vergleichsprobe messen. Dies setzt voraus, dass deine Substanz die analysiert werden soll nicht altert oder sonst wie zersetzt / sich verändert.
Nimm die letzte als Richtig gemessene Probe. Bereite diese so vor das man das fragliche Element messen kann. Kommt das gleiche Resultat wie ursprünglich heraus , hast Du deine Bestätigung für die Probenvorbereitung, das Handling und den Standards.

Hilft Dir das so weiter?
MfG

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Re: Überprüfung abgelaufener Standards

Beitrag von Christian » Sa 25. Nov 2017, 13:40

Hallo Alexander,

die Vorgehensweise, die du beschreibst ist bei mir ähnlich. Ich verwende den Null- und den Hochstandard für die Rekalibration. Allerdings habe ich die Vorgabe zwei Elementstandards unterschiedlicher Chargennummer für meine Arbeit zu verwenden. Das heißt bspw., dass ich mit einem Kupferstandard die Kalibration durchführe und einen weiteren Kupferstandard aus einer anderen Charge als Referenz bzw. zur Kontrolle bei den Analysen verwende. In deinem Beispiel wäre also der zweite Standard, derjenige, der mit 40 mg/L mitgeführt wird. Gemäß deiner Beschreibung prüfst du einen Standard praktisch mit sich selbst. Ich hätte jetzt vermutet, dass das mit abgelaufenen Standards zu Fehlern führt.

An sich stelle ich mir die Sache wie folgt vor:
- Wenn ich mit einem neuen Standard 1000 mg/L auf z.B. 100 mg/L als Hochstandard wie in deinem Beispiel kalibriere, dann gebe ich dem Computer vor, dass der Hochstandard 100 mg/L hat.
- Wenn ich dann eine Kontrollprobe auf 50 mg/L durchführe, wird mir das System basierend auf der Kalibration einen Wert von 50 mg/L wiedergeben.
- Nun habe ich einen alten Standard, der aufgrund längeren Stehens Wasser verloren hat und daher etwas aufkonzentriert ist. Sagen 1100 mg/L statt der usprünglichen 1000 mg/L. Aber das wissen weder die Machine noch ich.
- Wenn ich nun mit diesem alten Standard die Rekalibration durchführe, wird der Computer den Hochstandard, der nun tatsächlich 110 mg/L hat, als 100 mg/L setzen und mir für die Kontrollprobe wieder 50 mg/L ausgeben, obwohl die eigentliche Konzentration bei 55 mg/L liegen sollte.

Dieser Gedankengang brachte mich zu der Annahme, dass man einen Standard nicht mit sich selbst überprüfen sollte, weil man ja in jedem Fall das Ergebnis erhält, das man haben will. Liegt da vielleicht irgendwo ein gedanklicher Fehler vor?

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Re: Überprüfung abgelaufener Standards

Beitrag von Alexander Tepass » Sa 25. Nov 2017, 15:58

Hallo Christian,
Dieser Gedankengang brachte mich zu der Annahme, dass man einen Standard nicht mit sich selbst überprüfen sollte..
Korrekt!

Möglichkeit A nutzt Du schon:

Nehme einen "frischeren" gleichen Standard (andere Charge / Batch) und setze damit die Kontrollprobe an. Rekalibration mit den "alten" verdünnten Standards und Kontrolle mit der "neuen" Checkprobe. Check liegt wo er soll alles in Ordnung.

Möglichkeit B:

Nutze als Kontrollprobe eine Lösung die aus einem Salz hergestellt wurde oder umgekehrt, setze deine Standards damit an.
Bei Kupfer bietet sich Kupfersulfat Pentahydrat an. Führe Analysen durch um die Reinheit zu bestimmen.
Stelle dann deine Standards oder die Checkprobe damit her.

Möglichkeit C:

Messe eine Vergleichsprobe immer mit.
Nimm eine Lösung die Du schon analysiert hast und messe diese als Kontrollprobe mit. Weicht der Wert vom "ursprünglichen" ab musst Du reagieren.


Hat noch jemand anderes ein Vorgehen das man noch nutzen kann? Teilt Euer wissen hier mit uns...
MfG

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Re: Überprüfung abgelaufener Standards

Beitrag von Christian » So 24. Dez 2017, 16:37

Hallo Alexander,

danke für die Rückmeldung, das hat mir sehr geholfen.

Frohe Weihnachten.

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